Papas Mädchen 19.07.2008

Was macht das Band zwischen Vater und Tochter so speziell? Wir haben vier bekannte Mädchen gebeten, ihr Verhältnis zu ihrem ebenfalls berühmten Vätern zu beschreiben.
Verwirrte Seelenverwandte
Tomine Harket (15) ist das jüngste Kind, das Morten Harket (48 ) mit seiner Exfrau Camilla Malmquist hat. Zwischendurch sah sie ihren Vater in den Medien fast genauso oft wie im richtigen Leben. Trotzdem hat sie gewählt, den Fußstapfen ihres Vaters als Künstler zu folgen. Auf der Bühne sind beide konzentriert, im Übrigen ist es ziemlich wirr. 

Elle: Was für eine Art Vater ist Morten?
Tomine: Wir werden sehen …. Morten: Du musst keine Rücksicht auf mich nehmen, auch wenn ich hier sitze und zuhöre. Tomine: Nein. Lass mich nachdenken ….. Er ist ein guter Vater. Selbst wenn er sehr beschäftigt ist, versucht er immer, Zeit für uns zu finden. Und alle Ferien sind der Familie vorbehalten. Papa ist engagiert und anwesend, wenn wir zusammen sind. Und er ist SEHR philsophisch. Das ist immer etwas, das ich lernen soll, unter anderem macht er mir die Hölle heiß, wenn ich verwirrt bin. Morten: Ja, das ist etwas, was ich ständig aufnehmen muss, weil ich mich darin so gut wieder erkenne.
Elle: Habt ihr viele Gemeinsamkeiten?
Morten: Du gleichst mir genau hier, Tomine. Ich war auch unglaublich abwesend als ich zur Schule ging. Hatten meine Gedanken erst begonnen zu wandern, etwas, was sie ständig gemacht haben, habe ich es nicht geschafft, mich wieder einzuholen, da war der Schulbus weg. Auch Tomine befindet sich oft in ihrer eigenen Welt. Gleichzeitig muss ich sagen, dass sie immer da ist, wenn es darum geht: Tomine ist auf dem Niveau eines Profis, wenn es darum geht, auf der Bühne zu stehen. Da ist sie richtig dabei und im Zentrum der Begebenheiten. Tomine: Wir sind beide stur und wissen genau, was wir wollen. Deswegen diskutieren wir auch viel. Alle Themen, über die wir reden, werden auf die eine oder andere Art zu einer Diskussion. Aber wir streiten nie.
Elle: Was sind die größten Unterschiede zwischen euch beiden?
Tomine: Ich rede, bevor ich denke, während er redet während er denkt. Das ist der Grund, warum es manchmal langweilig wird, ihm zuzuhören, hehe Morten: Ja, das Summen meiner Stimme schickt sie direkt in einen Schlafmodus. Heutzutage schaffe ich es übrigens nicht, einen ganzen Song fertig zu spielen bevor meine Freundin Inez eingeschlafen ist. Und das ist nicht deswegen, weil die Lieder speziell lange oder einschläfernd sind. Tomine: Hä? Du Armer, nicht wahr? Autsch.
Elle: Was für eine Art Tochter ist Tomine?
Morten: Sie ist nett und fürsorglich. Erstaunlich genug eigentlich, weil die Kultur zwischen ihr und ihren Brüdern sich immer darum gedreht hat, andere Eigenschaften als Güte dem anderen gegenüber zu entwickeln. Zwischen ihnen herrscht die totale Abwesenheit von Umsicht. Gegenüber anderen dagegen, machen sie gute Dinge.
Elle: Was ist das Wichtigste, was du von Morten gelernt hast?
Tomine: Ich finde das schwierig, konkret zu beantworten, weil ich ja von allem lerne, sowohl, von dem, was Mama macht als auch von dem, was Papa macht, und wie sie sich dem anderen gegenüber verhalten. Das ist ja das, was mich zu dem gemacht hat, was ich bin.
Elle: Was hat Tomine dich gelehrt?
Morten: Tomine erinnert mich ständig daran, woher ich komme und dass ich ab und zu einen Blick auf das werfen sollte, was ich angenommen habe und sich etabliert hat seit der Zeit als ich in ihrem Alter war. Weil was hilft es, was ich zu sagen habe, wenn ich die Menschen nicht erreichen kann, durch die Art, wie ich es übermittle?
Elle: Magst du Jungs, die deinem Vater gleichen?
Tomine: Äääääh, glaube ich nicht. Wenn ich einen Jungen mag, denke ich nicht gleich: „Oh, er sieht so aus wie Papa!“. Aber ich mag den Stil, den er in den 80ern hatte, das muss ich einräumen. Mit den Löchern in den Jeans, Lederjacke und hohen Haaren.
Elle: Hast du Tomine während des Aufwachsens genug gesehen?
Morten: Ich selbst meine, dass ich nicht zu wenig mit ihr zusammen war, aber ich hätte mir trotzdem mehr gewünscht. Ich denke, dass die, die mich wirklich kennen, auch meinen Grad von Anwesenheit gegenüber den Kindern kennen.
Elle: Hast du deinen Vater sehr vermisst?
Tomine: Ja, das habe ich. Ich glaube schon, dass ich ihn zu wenig gesehen habe. Aber wir haben viel am Telefon miteinander gesprochen, wenn er auf Reisen war, und das half ein bisschen. Ich vermisse Papa immer noch sehr. Wenn ich ihn im Fernsehen sehe und ihn selbst eine Weile nicht gesehen habe, beginne ich z.B. zu weinen. Früher musste man nur das Wort „Papa“ zu mir sagen und die Tränen sind gelaufen, denn ich weiß, dass er wirklich versucht, uns zu sehen – das ist nur nicht so leicht, das Künstlerleben mit der Paparolle zu kombinieren.
Morten: Einige werden sich fragen, warum ich trotzdem Lust habe, als Künstler weiter zu arbeiten? Für mich geht es darum, dass ich das als bedeutungsvoll erlebe, mich in einem Möglichkeitsbereich zu befinden, wo ich im Dialog mit der Gesellschaft stehen kann – in erweitertem Sinn. Ich habe in einer Art einen Redeposten, eine Kommunikationsposition. Heute ist es ja so, dass wir auf viele Arten hören, und auf vielen Niveaus. Einige hören Geräusche und das Nebelgespräch, das ich von mir gebe, aber die eigentliche Kommunikation, die ich führe, geht im Stillen vor sich.Elle: Irgendetwas, was du anders machen würdest, wenn du die Chance dazu hättest, Morten?
Morten: Ich würde mir mehr Zeit für die Kinder wünschen. Heute sorge ich dafür, dass nicht zu viel Zeit liegt zwischen den Zeiten, an denen ich sie sehe. Früher war ich in der Hinsicht abgestumpfter. Es gibt genug Perioden aus der Zeit als Tomine und ihre großen Brüder noch klein waren, die ich heute anders geregelt hätte. Ausserdem herrscht heute größeres Verständnis für Rücksicht auf die Familie als vor 15-20 Jahren. Aber wenn es eine große TV-Sendung in London gibt, muss ich ja dort sein. Einmal musste ich mir ein Privatflugzeug leihen, um rechtzeitig zur Konfirmation meines jüngsten Sohnes zu Hause zu sein. Ich kam erst kurz vor knapp zu Hause an und bekam nicht die Gelegenheit, an den Vorbereitungen teilzunehmen. Das war kein gutes Erlebnis, und es war kein Zufall, dass mein Manager drei Wochen später gefeuert wurde.
Elle: Gab es Unterschiede in der „Mutter- und Vaterrolle“ bei euch zu Hause?
Tomine: Ich bin ja nun so gesehen bei Mama aufgewachsen, aber Papa nimmt definitiv keine Mamarolle an, wenn ich bei ihm bin. Morten: Es gibt grundlegende Wesensunterschiede zwischen einer Mama und einem Papa, und das ist eine fixe Idee, dass diese Rollen irgendwann gleich sein können. Der Prozess, der im Namen der Gleichberechtigung in diesem Gebiet im Laufen ist, ist künstlich. Das bedeutet nicht, dass ich glaube, das die Sache falsch ist, es gibt im Gegenteil viel, das ich für richtig halte, aber ist gleichwohl respektlos, wenn man versucht, die Unterschiede zwischen Mann und Frau wegzuwischen. Wir müssen besser versuchen, die Eigenschaften der unterschiedlichen Geschlechter zu lieben.
Elle: Wie oft seht ihr euch jetzt im Alltag?
Tomine: Grob gesagt jedes zweite Wochenende. Manchmal öfter, manchmal seltener. Morten: Aber wir sind zusammen, wenn wir zusammen sind. Ich habe einen Job, der verlangt, dass ich viel reisen muss, deswegen war es für mich wichtig, flexibel im Verhältnis zum Beisammensein mit den Kindern sein zu können. Im Wirken eines Künstlers ist es schwierig feste Besuchstage aufrecht zu halten, und Camilla hat immer großes Verständnis dafür gezeigt. Aber wir sind viel zusammen gereist, sowohl mit ihr als auch ohne sie. Zeitweise haben wir eine Art Nomadenleben geführt. Wir haben sogar ab und zu Lehrer auf einigen unserer Reisen dabei gehabt, so dass die Kinder in der Schule nicht absacken.
Elle: Was ist das beste daran Vater zu sein?
Morten: Die Jagd auf die Mutter! Tomine: Papa! Morten: Nein, aber Vater zu sein gibt dir Gefühle, die so tief in dir verlaufen, dass du das nicht vergleichen kannst, wenn du nicht selbst Vater bist. Aus dem selben Grund ist es schwierig, diese Gefühle in Worten zu fassen. Tomine: Du musst Kinder ja aber mögen, weil du so viele hast? Morten: Ja, selbstverständlich, aber ich mag den Gedanken nicht, dass man die Nachkommenschaft plant oder reguliert. Bekommen wir Kinder, so ist das eine Gabe, die ich mit Freude entgegen nehme. Kinder zu bekommen ist ein Teil des Lebens – wenn man so glücklich ist, und im Stande ist, sie zu bekommen.
Elle: Was ist das Beste daran, einen Vater zu haben?
Tomine: Das muss wohl seine Brieftasche sein …. nein. Das Beste daran, einen Vater zu haben, ist wohl, einen Vater zu haben. Weil es ja so viele gibt, die das nicht haben.
Elle: Was ist dein Zukunftstraum für Tomine?
Morten: Ich habe keinen anderen Traum für sie, als dass sie ihren eigenen Weg findet, und sie die Gelegenheit bekommt, die Seiten an sich zu entwickeln, die stimulierend für sie sind. Dass sie ihr eigenes Potential findet – ganz unabhängig von der Richtung. Aber das wichtigste von allem ist, dass Tomine die Möglichkeit bekommt, glücklich im Leben zu sein.


ELLE Credits: Interviewer: Maria Fürst

Fotocopyright: Morten Qvale

Styling: Ingrid Bruvik

Makeup und Haare: Anne Cecilie Olavesen & Ingrid Bruvik

Übersetzung: Tibolo

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